
Es sind Naturliebhaber, denen ein Waldspaziergang nicht reicht. Bushcrafter übernachten gern im Freien, oft mit einfachen Mitteln. Ist bei den wilden Camps Feuer im Spiel, kann es gefährlich werden.
Im Wald zwischen Kaufungen und Nieste in Nordhessen entdeckt ein Mitarbeiter des Forstamtes Hessisch Lichtenau einen sorgsam errichteten, aber illegalen Holzunterschlupf. Es gibt eine Pritsche, die mit Fichtenzweigen bedeckt ist, und sogar einen Holzofen. Mutmaßlich wurde die Holzhütte von einem Bushcrafter gebaut. Das sind Naturliebhaber, die es gerne rustikal mögen und mit einfachen Mitteln draußen übernachten.
„Bushcrafting hat an Bekanntheit und Ausübung zugenommen, vor allem in waldreichen Regionen Hessens sowie im Umfeld von Ballungsräumen“, erläutert der Sprecher von Hessen Forst, Moritz Frey. „In den letzten Jahren ist ein zunehmendes Interesse via Social Media und Outdoor-Trends feststellbar.“
Feuer ist im Wald tabu
Es müssten allerdings klare Grenzen gesetzt werden, wenn das individuelle Naturerleben zu einer Beeinträchtigung des Waldes oder seiner Bewohner wird, stellt Frey klar. Zwar seien einige Bushcrafter naturverträglich unterwegs. Besonders problematisch aber sind Feuerstellen – aktuell ist vor allem in Südhessen die Waldbrandgefahr hoch. Auch das Errichten von Unterständen, das Fällen oder Verletzen von Bäumen, Störungen von Wild, Lärm oder Müll sind verboten.
Für die Unterstände würden leider häufig nicht nur Totholz genutzt, sondern auch lebende Bäume geschädigt oder gefällt – wie bei dem entdeckten Unterschlupf im Bezirk Hessisch Lichtenau. „Solche Verletzungen sind nicht nur ein unnötiger und klar rechtswidriger Eingriff, sondern können auch Brutraum für forstschädliche Insekten schaffen“, mahnt Frey. Manchmal fielen auch sorgsam gepflegte „Zukunftsbäume“ – zentral für den langfristigen Walderhalt – dem Büdchenbau zum Opfer.
Oft werden nur die Überreste der Nacht entdeckt
Werden Bushcrafter von Förstern entdeckt und angesprochen, reagierten sie meist kooperativ. Viele würden die gesetzlichen Vorgaben nicht in allen Details kennen, zeigten jedoch Offenheit für Hinweise, erklärt Frey. „In Einzelfällen wird diskutiert, selten ablehnend reagiert.“
Forstamtsleiter Sebastian Gräf aus Königstein im Taunus ergänzt: „Die meisten Bushcrafter wissen, dass sie sich in einer Grauzone bewegen, und schlagen daher ihre Rastplätze erst in der Dämmerung auf und sind morgens weitergezogen. … Wir sehen ja meist nur die Überreste der Nachtlager.“
Es gibt auch legale Trekkingsplätze
In Einzelfällen kann vor Ort ein Kompromiss gefunden werden. In manchen Forstämtern würden Flächen ausgewiesen, auf denen zum Beispiel Outdoor-Anbieter Wildnis- oder Bushcrafting-Kurse veranstalten dürfen, erklärt Frey. Manche Naturparks bieten zudem Trekkingplätze an, auf denen man im Wald übernachten kann. Der Unterschlupf bei Kaufungen in Nordhessen wurde von Forstleuten abgebaut.